Freitag, 12. April 2013

Die Vitamin-Story ... ein Segen für manche Ärzte, den Apotheker und die Hersteller




Es vergeht kaum ein Tag, an dem die Pharmaindustrie nicht über die Medien, in der Werbung, in scheinbar seriös anmutenden Beiträgen, in Specials und sonstigen Formen auf uns einredet, dass die regelmäßige Einnahme von Vitaminpillen, Spurenelementen, Mineralstoffen oder Nahrungsergänzungen unumgänlich wäre, um unsere Gesundheit zu erhalten, Krankheiten zu vermeiden oder auch in ganz extremen Fällen sogar Krankheiten zu heilen.

Es wird uns vermittelt, dass unsere Nahrungsmittel minderwertig wären, nicht mehr genügend essentielle, das heißt lebenswichtige Bestandteile enthielten und demzufolge drohende Mängel durch Zufuhr von Pillen, Pulvern, Kapseln usw. geradezu zwingend ausgeglichen werden müßten.

Ansonsten drohten Mangelerscheinungen bis hin zu schweren Erkrankungen. 

In den USA beispielsweise zeigt dies deutliche Wirkung, ungefähr die Hälfte der Bevölkerung nimmt dort Vitaminpillen. Die deutsche Bevölkerung ist in dieser Beziehung offensichtlich deutlich widerstandsfähiger, glaubt doch nach einer Befragung, die der SPIEGEL vor einiger Zeit veröffentlicht hat, nur ca. ein Viertel der Befragten daran, dass Vitamine in Tabletten oder Pulverform für die Gesundheit "eher nützlich" wären, ein etwa gleichgroßer Anteil hält sie für "eher schädlich", rund die Hälfte sieht die Dinge "ohne Auswirkungen auf die Gesundheit" - das läßt hoffen.

Ein großer Vitaminhersteller bewirbt neuerdings sogar Vitaminpräparate, getrennt nach Frauen für Frauenund Männern für Männer, weil diese Dinge "natürlich" bei den Geschlechtern auch unterschiedlich gewertet werden müßten.





Sieht man sich die Situation ganz sachlich und fernab des Getöns der Pharmaindustrie an, was bleibt von der aufgebauten Drohkulisse "Mangelkrankheiten"?



Natürlich gab es früher, sagen wir in der vorindustriellen Zeit auch Vitamin - Mangelerscheinungen bis hin zu manifesten Krankheiten.

Die Abbildung zeigt einige alte Krankheitsbilder, die wir heute in Deutschland praktisch nicht mehr sehen. Fast kein Arzt in Deutschland wird einen Patienten mit Scorbut, Beri-Beri oder Rachitis jemals auch nur zu Gesicht bekommen, geschweige denn behandelt haben.

In der klinischen Praxis spielen manifeste Vitaminmangelzustände keine Rolle! 


Behauptung: Die Ernährung ist minderwertig, deshalb muß substituiert werden!

Besonders unter den Grünen ist die Annahme verbreitet und wird z.T. militant vertreten, dass unsere normalen Lebensmittel weniger Vitamine und Nährstoffe enthielten als früher, die Qualität wäre also schlechter. Das Bundesinstitut für Ernährung und Lebensmittel in Karlsruhe belegt stattdessen, dass durch die gezielte Düngung unserer landwirtschaftlich genutzten Ackerflächen allein schon der Boden viel nähstoffreicher ist, als früher, Untersuchungen mit "industriell gefertigten" Nahrungsmitteln zeigen: Unsere Ernährung enthält alle notwendigen Dinge.

Bei "normaler" Supermarkternährung nehmen heute die meisten Menschen zwischen 100 bis 200 % der empfohlenen Tagesmenge an Vitaminen auf, dies betrifft alle Vitamine außer Vitamin D, hier produziert aber unser Körper selbst die notwendige Menge, vorausgesetzt, wir halten uns täglich um die 15 Minuten - ohne Sonnencreme - im Freien auf.

Eine zusätzliche Einnahme von Vitaminen ist also nicht notwendig.

Zwei Ausnahmen von dieser Regel sind zu nennen: das sind kleine Kinder bis zur Vollendung des 1. Lebensjahres, die eine Rachtisprophylaxe in Form von Vitamin D erhalten sollten und alte Menschen, die immobil sind, etwa in Pflegeeinrichtungen und die vielfach täglich nicht die geforderte Zeit von mindestens 15 Minuten im Freien zubringen.

Fazit: Unsere normale Supermarkt-Ernährung sichert uns eine ausreichende Zufuhr an Vitaminen, Substitution ist überflüssig!


Frage: Mein Hausarzt führt regelmäßig Serumspiegelbestimmungen von Vitaminen und Mineralstoffen durch, warum zahlt das meine Krankenkasse nicht?

Sie brauchen weder den Hausarzt wechseln, wenn er ihnen diese Dinge nicht anbietet,  noch die Krankenkassen, wenn diese die anfallenden Kosten nicht übernimmt.

Für den gesunden Menschen sind diese Untersuchungen schlichtweg überflüssig., wenn auch gern empfohlen - sie generieren den Labors und Praxen natürlich Umsatz.


 Und trotzdem: 


Nach den Ergebnissen der "Nationalen Verzehrstudie II", die die Ernährungsgewohnheiten der Deutschen breitflächig erfaßt, nehmen beispielsweise rund 2,5 Millionen Menschen zwischen 14 und 80 Jahren Vitamin-D-Präparate ein. Der gleiche Effekt ist u.a. z u erzielen mit einem Stück Fisch, 3 Eiern, 100 g. Margarine.

Rund 5,8 Millionen nehmen Vitamin E Präparate. der tägliche Bedarf liegt für einen Menschen bei max. 15 Milligramm, die nehme nsie etwa locker auf, wenn sie ihrem Essen zwei Löffel Sonneblumenöl oder 90 g. Margarine zugeben, sie können auch abends 50 g. Nüsse knabbern und gut ist es!

Rund 5 Millionen nehmen Vitamin B-Präparate - auch hier reicht unsere normale Ernährung völlig aus.

Fassen wir das heutige Wissen zusammen:

Für gesunde Menschen gibt es nur wenige Gründe zur Substitution von Vitaminen und sonstigen Dingen:

A) schwangere Frauen - hier ist die Gabe von Folsäure angezeigt.
B) Säuglinge bis zu einem Jahr und Alten- und Pflegeheimbewohner.


Alles andere ist in der Tat rausgeschmissenens Geld und schadet möglicherweise sogar dem Organismus.

Darauf und auf die Situation bei chronisch kranken Menschen gehe ich in den nächsten Posts ein.

Für heute: Laßt Euch nicht betrügen, haltet die Hände fern von Vitaminpillen und eure Geldbeutel geschlossen - geht in den Supermarkt, kauft euch normale Nahrungsmittel, nutzt eure Küche und bereitet euch selbst ein schmackhaftes Essen zu. Das macht Sinn!


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